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In der Schule

Warum ist
das wichtig?

Vorurteile gegenüber Menschen mit HIV sind leider immer noch weit verbreitet. Mangelndes Wissen oder Fehlinformationen führen zu Diskriminierung und Stigmatisierung. In der Schule darf das Thema daher nicht auf den Biologieunterricht reduziert werden.


HIV muss im Kontext von sexueller Bildung thematisiert werden. Themen wie Sexualität, geschlechtliche und sexuelle Identität und Beziehungsformen sind hier wichtig.


Durch einen Unterricht, in dem HIV nicht nur gestreift wird, können Schamgefühle abgebaut und Schüler*innen zu selbstbewussten, gut informierten Allys werden.

Thomas ist Lehrer und
Ally!

Sei wie Thomas!

Thomas, was machst du beruflich?

Ich bin Lehrer für Englisch, Deutsch und Spanisch an einer Gesamtschule.

 

Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Zunächst mal habe ich einfach das studiert, was mich interessierte. Das war in meinem Fall vor allem Literatur und Fremdsprachen. Während des Studiums habe ich Tutorien gegeben für Erstsemester und beim 1. FC Köln in der Hausaufgabenbetreuung für die Nachwuchsspieler gearbeitet. Da habe ich gemerkt, dass ich ganz gerne unterrichte.

 

Du hast aber nicht nur in Deutschland als Lehrer gearbeitet, oder?

Nein, ich war sechs Jahre an einer deutschen Schule in Chile und danach habe ich noch Spanisch auf Lehramt in Mexiko studiert.

 

Was magst du am Lehrer sein?

Es ist ein sehr vielseitiger Beruf. Es geht ja nicht nur um Wissensvermittlung, sondern man arbeitet mit jungen Menschen, auf die man Einfluss hat. Man trägt dazu bei, dass junge Menschen zu Erwachsenen werden und gibt ihnen mehr mit als nur grammatisches Wissen, Vokabular und Sprachkenntnisse. Jede Lehrkraft trägt dazu bei, dass Persönlichkeiten entstehen.

THOMAS
INTERVIEW

 

Welche Rolle spielt HIV gegenwärtig in der Wissensvermittlung an Schulen?

Ich habe erst einmal nur Einblick in meine eigene Schule und selbst da weiß ich nicht genau, wie das Thema zum Beispiel in der Biologie behandelt wird. Aber grundsätzlich glaube ich, dass HIV zu selten Thema an Schulen ist. Das ist schade, weil es besonders wichtig ist, gerade junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren, damit Vorurteile und Ängste gar nicht erst entstehen.

 

Wie geht man da am besten vor?

Beides resultiert meistens aus Unkenntnis. Zunächst einmal ist daher wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler über das Thema Bescheid wissen. Sie müssen ein Grundwissen

über HIV und Aids haben, aber es ist auch wichtig, dass sie über Stigmatisierung und Diskriminierung sprechen.

 

Wie läuft das konkret an deiner Schule?

Wir haben in diesem Jahr die Aidshilfe Köln für Workshops für einen ganzen Jahrgang eingeladen. Zu den Workshops kann ich gar nicht viel sagen, da sind die Lehrer und Lehrerinnen bewusst nicht dabei. Ich habe im Nachhinein aber von den Schülern und Schülerinnen gehört, dass sie den Tag als bereichernd empfunden haben. Ich habe dann vor allem bei meiner eigenen Klasse nachgefragt und in dem Zusammenhang erwähnt, dass ich selbst HIV-positiv bin.

 

Eine spontane Situation?

Ich hatte da vorher schon mal drüber nachgedacht, wie ich reagieren würde. Die Gelegenheit war in diesem Fall wunderbar, will ich mich gar nicht erst selbst zum Thema machen musste. Ich stand ja nicht im Mittelpunkt, sondern es ging um diesen Workshop, um die Reflexion. Ich fand es schön, dass ich meine eigene Situation im Nebensatz erwähnen konnte. Diskriminierung entsteht ja auch dadurch, dass Menschen immer noch den Eindruck haben, dass man nicht darüber sprechen darf.

 

Wie hat deine Klasse reagiert?

Ich glaube die Botschaft kam an. Es gab ein paar sachliche Nachfragen, die gezeigt haben, dass Interesse da ist, dass man mit dem Thema umgehen kann.

 

Es ging aber noch weiter.

Das hat natürlich die Runde gemacht, das war mir vorher auch klar. Eine Kollegin wurde im Unterricht dann von den Schülerinnen und Schülern darauf angesprochen. „Der Herr Schmalzgrüber hat in seiner Klasse gesagt, dass er HIV-positiv ist. Stimmt das?“ Sie hat mit dem Schulleiter darüber gesprochen und der hat das Gespräch mit mir gesucht. Da habe ich mich natürlich schon gefragt: Was ist sein Anliegen und worüber möchte er mit mir reden? Letztendlich wollte er mir nur seine Unterstützung zusichern.

Das ist doch die Reaktion, wie man sich die wünschen würde, oder?

Absolut. Ich weiß aber nicht, ob das an jeder anderen Schule auch so laufen würde.

Das Hauptproblem bei HIV ist eben, dass nur wenige Leute darüber sprechen. Da sind sicherlich auch positive Menschen gefragt, diesen Schritt zu wagen. Das ist nicht immer einfach, aber das Tabu lässt sich nur beseitigen, wenn man unaufgeregt darüber spricht.

 

Erfährst du auch schon mal Diskriminierung?

Selten und dafür bin ich auch dankbar. Sowohl was die Familie als auch was den Arbeitsplatz angeht, bewege ich mich in einem sehr wertschätzenden Umfeld. Das ist ein großes Glück.

 

Hast du Schülerinnen oder Schüler, die entweder selbst positiv sind oder positive Familienangehörige haben?

Vermutlich, aber ich weiß es nicht. Wir haben etwa tausend Schülerinnen und Schüler. Wenn wir dann Eltern und Geschwister dazurechnen, sind das eine Menge Menschen. Da ist vermutlich jemand dabei, der tagtäglich erlebt, dass darüber geschwiegen wird.

 

Gibt es Momente, in denen du dir eine Ally oder einen Ally wünschen würdest?

Ich habe kein konkretes Beispiel, aber ich finde die Idee des Allys ganz toll. Es ist wichtig, dass sich nicht nur Menschen mit HIV selbst einsetzen, sondern dass es auch Leute gibt, die nicht positiv sind oder nicht von den Diskriminierungen betroffen sind und sich trotzdem stark machen. Das kann eine Menge Gewicht haben.

WIE KANN ICH ALLY WERDEN?
DIE HOT FACTS!

Bleibe immer auf dem neuesten Stand!

Es ist wichtig, dass du als Lehrkraft informiert bleibst. Auf aidshilfe.de gibt es eine Vielzahl von Materialien, die du kostenlos bestellen kannst.

 

Arbeite mit Expert*innen zusammen!

Möchtest du dich intensiver mit den Themen sexuelle Bildung und HIV auseinandersetzen? In vielen Aidshilfen gibt es Youthworker, die in Schulen mit innovativen Altersgerechten sexualpädagogischen Konzepten zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen aufklären. Einige Aidshilfen kannst du auch mit deiner Schulklasse zu besuchen. Nimm Kontakt mit der Aidshilfe auf.

Aidshilfen in Deiner Nähe findest Du hier: https://www.kompass.hiv/de

 

Motiviere auch andere!

Du kannst der Funke sein, der Veränderung ermöglicht. Sprich mit Kolleg*innen und ermutige sie, sich ebenfalls zu engagieren. Fordere Informationsmaterial zu Youthwork an, verteile Flyer an Lehrkräfte aus anderen Fachbereichen und erkläre, warum Aufklärung und sexuelle Bildung wichtig ist.

Sei eine Vertrauensperson!

Zeige deinen Schüler*innen , dass du für sie da bist. Kommuniziere offen, dass du eine vertrauensvolle Ansprechperson bei Fragen rund um die Themen Sexualität, geschlechtliche und sexuelle Identität, sexuelle Gesundheit und HIV bist. Vor allem in höheren Jahrgangsstufen und in der Berufsschule ist dies von großer Bedeutung. Zeige dein Engagement, indem du die „Safe Space“ Schleife in deinem Klassenzimmer anbringst und somit ein Zeichen setzt.​

https://www.aidshilfe.de/shop/safe-space

 

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