top of page

BEIM DATING

Wie werden Menschen
mit HIV
diskriminiert?

Diskriminierung von Menschen mit HIV auch beim Dating immer noch weit verbreitet. Dabei ist die "n=n"-Strategie (oder auch Schutz durch Therapie) genauso sicher wie Kondome oder die PrEP, wenn es darum geht, die Übertragung von HIV zu verhindern. „n=n“ bedeutet nicht nachweisbar = nicht übertragbar. Durch die Einnahme von HIV-Medikamenten wird die Viruslast so stark reduziert, dass es im Labor nicht mehr nachweisbar ist und beim Sex auch nicht mehr übertragbar ist. Dennoch existieren unbegründete Ängste und Vorurteile gegenüber HIV-positiven Menschen. Viele filtern beim Online-Dating gezielt Personen heraus, die angeben, HIV-positiv und "unter der Nachweisgrenze" zu sein. Manche blockieren solche Profile sogar oder lehnen Sex mit HIV-positiven Menschen grundsätzlich ab. Sie ignorieren die wissenschaftlichen Fakten und lassen ihren Vorurteilen und Ängsten freien Lauf. Dieses Verhalten führt dazu, dass Menschen mit HIV stigmatisiert und ausgegrenzt werden.

Andrew ist auf Grindr und Ally!

Sei wie Andrew!

Andre_DAHDAN_0558.JPG
Andre_DAHDAN_0594.JPG

ANDREW
INTERVIEW

 

Andrew, was machst du beruflich?
Ich bin biologisch-technischer Assistent und arbeite in der Krebsbehandlung. Ich wusste immer schon, dass ich nach der Schule in die Naturwissenschaften gehen wollte. Insgesamt bin ich jetzt schon sieben Jahre in dem Beruf tätig, habe aber zwischen zwei Jobs eine kleine Weltreise gemacht.
 
Wo ging es denn hin?
Geplant war die Reise für ein Jahr und ich bin in Australien gestartet. Da habe ich schnell einen Job gefunden, um das Ganze zu finanzieren. 
 
Was hast du denn da gemacht?
Ich war unter anderem Reinigungskraft und habe in wirklich schönen Häusern ein bisschen gestaubsaugt. Der beste Job war aber in einer Käsefabrik, wo ich Camembert, Brie, Cheddar und Blauschimmel hergestellt habe.

Und die schlimmste Arbeit?
Auf einer Baustelle bei 40 Grad im Schatten einen Graben ausheben. Das habe ich einen Tag gemacht und mich dann nie wieder gemeldet. Der Arbeitgeber bei mir aber auch nicht.
 
Wie ging’s nach Australien weiter?
Das Jahr ging im Flug vorbei, dann kam die Möglichkeit noch ein weiteres Jahr zu bleiben. Die habe ich genutzt und habe ein bisschen was gespart um durch Südostasien zu reisen, vor allem durch Indien.

Warum gerade dorthin?
Indien ist ein riesiges, sehr diverses Land. Ich habe mir ein Motorrad gekauft und bin damit herumgereist. Eigentlich wollte ich auf einer der höchsten Straßen der Erde fahren, in Ladakh. Die liegt bei über 5000 Metern. Das hat wegen Corona aber leider nicht geklappt. 
 
Du hast in Australien angefangen die PreP zu nehmen?
Australien ist ein sehr offenes Land, was sexuelle Orientierung angeht. Die PreP kann da jeder reguläre Arzt verschreiben. Ich hatte als Backpacker eine eigene Krankenversicherung, wusste aber erst nicht, ob ich staatliche Leistungen in Anspruch nehmen kann. Das war aber gar kein Problem.
 
Was war der Beweggrund für dich?
Risikomanagement. In Australien gibt es die PreP schon länger als bei uns, da kam damals oft schon nicht mehr die Frage, ob mit oder ohne Kondom. Das hat quasi jeder für sich entschieden.
 

​Musst du dein Risikomanagement oft erklären?
Als ich bei meinem jetzigen Job angefangen habe, musste ich für die Routineuntersuchung zum Betriebsarzt. Da wird man auch gefragt, ob man Medikamente nimmt. Die Ärztin hat mich ganz verdutzt angeschaut, als ich die PreP genannt habe. Ich musste ihr erst einmal erklären, was das überhaupt ist. Danach wollte sie wissen, ob ich positiv bin. Als ich zwei Jahre später meinen Hausarzt gewechselt habe, hatte ich eins zu eins das gleiche Gespräch.
 


Was bedeutet für dich die Gleichung n=n, also „nicht nachweisbar ist nicht übertragbar“?
Das ist so schön wissenschaftlich. Ich kenne die Methoden ja aus meinem Job. HIV wird per PCR nachgewiesen und ich weiß aus meiner Arbeit, wie empfindlich die Tests sind. Da braucht es nur einen wirklich, wirklich winzigen Anteil an DNA, um etwas nachzuweisen. Daher gilt eben: Wenn ein Test unter der Nachweisgrenze ist,  dann ist damit bewiesen, dass das Virus nicht übertragbar ist.
 
Wie gehst du selbst damit beim Dating um?
Man kann bei Dating-Apps unter anderem angeben, ob man positiv, unter der Nachweisgrenze ist oder die PreP nimmt. Dieser Punkt ist in meinen Augen allerdings überflüssig , den beachte  ich gar nicht. Bei mir wird auch nichts gefiltert.
Da ich dauerhaft die PreP nehme, ist Schutz durch Therapie eigentlich gerade kein großes Thema für mich, ich möchte da aber trotzdem Verbündeter sein und alle dazu ermutigen, sie als gleichwertige Schutzmöglichkeit zu akzeptieren und Ängste abzubauen. 


Und im privaten Bereich?
Wenn Fragen aufkommen, versuche ich das wissenschaftlich darzulegen. Ich argumentiere da auch mit meiner PrEP. Die und Schutz durch Therapie sind ja ganz grobgesagt das selbe Grundprinzip: Ein Medikament verhindert Vermehrung des Virus in der Zelle. Das funktioniert. Punkt.

 


Gibt es in deinem Alltag Momente, in denen du als schwuler Mann eine*n Ally gebrauchen könntest?
Eigentlich nicht. Ich bin überall geoutet oder erzähle es offen, wenn ich gefragt werde und habe selten Diskriminierung erlebt. Damals in der Schule, mit 15 oder 16, habe ich angefangen, den ersten zu erzählen, dass ich schwul bin. Im Nachhinein finde ich es sehr schön, dass sich alle an ihr Versprechen gehalten haben, erst einmal nichts weiter zu erzählen bis ich selber dafür bereit war. Das waren wirkliche Freunde.

Andre_DAHDAN_0534.JPG

WIE KANN ICH ALLY SEIN?

Wenn das HI-Virus nicht nachweisbar ist, kann es beim Sex nicht übertragen werden - das nennen wir n=n. Wenn du auf einem Date bist, sag klar und deutlich, dass du diese Form von Safer-Sex kennst und weißt, dass sie sicher ist.

Beim Online-Dating, ignoriere nicht die Leute, die angeben, "unter der Nachweisgrenze" zu sein. Bei Romeo heißt das auch "TasP", was "Treatmente as Prevention" bedeutet.

Mach in deinem Dating- oder Sex-Profil klar, dass n=n für dich eine gleichwertige safer-sex Strategie ist.

Informiere deine Freunde und hilf dabei, die Information weiter zu verbreiten. Wir wollen damit die Akzeptanz von Menschen mit HIV steigern und mehr Verständnis in der Gesellschaft schaffen.

HOT
FACTS

Wenn sich dank HIV-Medikamenten keine Viren im Blut mehr finden lassen, ist HIV nicht mehr übertragbar (nicht nachweisbar = nicht übertragbar oder N=N) Diese gute Nachricht erleichtert und trägt zum Abbau von Ängsten und Diskriminierung bei. Deswegen wollen wir das Wissen teilen, bis alle Bescheid wissen. Mach mit!

Es gibt bereits eine tolle Kampagne zu diesem Thema. Mit vielen Fakten und Tipps zum Supporten. Schau einfach vorbei, auf:

www.wissen-verdoppeln.hiv

bottom of page